ABI 2000 in der PRESSE

Abischerz

ENTLASSUNG

 

»Lernen Sie Neues kennen, bleiben Sie in Bewegung«
Abiturfeier für den Jahrgang 2000 an der Einbecker Goetheschule / Lob für besondere Leistungen / Auch die Lehrer haben gelernt

Geradezu wehmütig wurden die Abiturienten der Goetheschule zum Ende ihrer offiziellen Verabschiedung. Mit dem Lied »Alte Schule, altes Haus« sagten sie dem Gymnasium Lebewohl. Zuvor hatten sie selbst, aber auch die Schulleitung und Hans-Helmut Kröger als Festredner Bilanz gezogen, und dabei war viel Positives über diesen Jahrgang zu hören.

Einbeck (ek). »Damit die Augen sehen, müssen die Beine sich bewegen. Bleibt nicht sitzen.« Diese Spruchweisheit aus dem afrikanischen Land Burkina Faso setzte Oberstudiendirektor Joachim Fischer an den Beginn seiner Ansprache. Der Jahrgang, der verabschiedet werde, habe nicht nur besonders gute Leistungen gebracht, sondern er habe auch durch sein Auftreten und sein Engagement in der Schule viel Freude bereitet. Die Lehrer hätten versucht, den Abiturienten die Augen zu öffnen, sie das Sehen zu lernen, und sie hätten auch versucht zu zeigen, dass man die Beine bewegen müsse. Dafür dankte der Schulleiter dem Kollegium. Den Stab könne man nun weiter geben an die Eltern: »Lassen Sie Ihre erwachsenen Kinder nicht sitzen, sondern lassen Sie sie los und schicken sie sie hinaus, wenn sie sich nicht bewegen wollen«, so sein Rat. Wie die Abiturienten des Jahrgangs 1950, die auch zur Feierstunde eingeladen waren und die in jeder Hinsicht Grenzen überwinden mussten, gelte das für diese Generation. »Grenzen? Ich habe noch nie welche gesehen. Ich habe gehört, dass sie in den Gedanken vieler Menschen existieren«, damit zitierte Fischer den norwegischen Forscher Thor Heyerdahl, verbunden mit der Forderung, Grenzen auch im Kopf zu überwinden.
Dank an den Förderverein und die Lehrer sprach der Vorsitzende des Schulelternrates, Wolfgang Glatzel, aus. Die Schule sei nun aus, für immer, und in die Freude werde sich bald auch ein bisschen Trauer mischen. Die Schüler seien durch ihre Ausbildung in der Lage, mit neuen Notwendigkeiten und Zwängen fertig zu werden, sie hätten gute Startbedingungen erhalten, mehr aber nicht. Für ihre erfolgreiche Zukunft seien Visionen wichtig, Ziele, die sie in Aufbruchstimmung versetzen und durch die sie sich auf die Zukunft konzentrieren könnten, eine Glut unter der Asche, die Lebensenergie bringe. Für diese Visionen müsse man vielleicht auch sehr hart arbeiten - dafür wünschte er ihnen Mut, Geduld und Glück.
Gern würden die Schüler der jüngeren Jahrgänge mit den Abiturienten tauschen, meinte die Sprecherin   der   Schülerschaft,   Claudia Schlimme. Die Frage »Und was jetzt?« könne jeder nur selbst entscheiden: »Es ist eure Zukunft, euer Traum, und man kann alles schaffen, wenn man es will«, machte sie deutlich. Für den weiteren Lebensweg sei es wichtig, sein Glück zu finden, dazu zählten auch ein Beruf den man gern ausübe, und Leistungen, die man gerne bringe.

Die Übersetzung des Wortes »Abitur« bedeute »Es wird fortgegangen, weggelaufen«, führte Hans-Helmut Kröger aus, der die Ansprache für die Lehrerschaft hielt. Für die Schüler bedeute dieser Tag den Abschied von Schule und Elternhaus, die gute, aber manchmal ärgerliche Leitplanken gesetzt hätten mit ihren

»Alte Schule, altes Haus« - zu einem gemeinsamen, schon wehmütigen Lied traten die Schüler des Abiturjahrgangs 2000 auf die Bühne.                  Fotos: Kondziella

ihren Ermahnungen. Jetzt hätten die jungen Erwachsenen den Führerschein für die Straße des Lebens, und wie nach der Auto-Fahrschule, sei es auch jetzt so, dass sich das Können entwickele durch das Wagnis des Tuns. »Lernen Sie Neues kennen, aber fahren Sie vorsichtig«, gab er ihnen mit auf den Weg. Die erlangte Freiheit werde bald wieder beschnitten, man müsse sich trotzdem Interessen für Zweckfreies erhalten, und man sollte einen Blick erwerben für Menschen, die helfen könnten.
Die Umrisse der Zukunft seien heute kaum erkennbar, und so müsse man auch das geistige Rüstzeug sichten und eigene Grenzen erkennen. »Verheben Sie sich nicht«, warnte Kröger, denn auch in der Begrenzung zeige sich der Meister. Das Rüstzeug, das die Schule vermittelt habe, sei wohl nicht immer tauglich, aber die Abiturienten sollten ihren aufrechten Gang behalten, auch wenn sie dadurch Angriffsflächen böten. »Bleiben Sie Individuen, übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Mitmenschen, pflegen Sie Aus-und Herzensbildung, kümmern Sie sich um Schwache«, so seine weiteren Wünsche. Die Jungen müssten sich mit Problemen beschäftigen, die seine Generation ungelöst hinterlassen werde. Deshalb sei es erforderlich, auch neue Systeme politischen Denkens zu entwickeln. Im Laufe der Jahre werde man schließlich selbst dazu kommen, hilfreiche Warnschilder setzen. »Laufen Sie vor dem Berg der Aufgaben nicht weg«, bat er schließlich, und zum Ende seiner Rede, für die die Schüler stehend applaudierten, gab er den Dank der Lehrer weiter: Die Schüler hätten die Lehrer zu neuen Sichtweisen geführt, und das sei gut so, denn Schule sei ein Geben und Nehmen. Wenn er sich selbst bald aus dem Schuldienst ausscheide, habe er nur, frei nach

Walther von der Vogelweide, einen Wunsch: Er bitte um nichts als dass ihn die Schüler mal wieder grüßten.
Für den Jahrgang traten Melanie Wollenweber und André Hauschild ans Rednerpult. Zu den Dingen, die die Mitschüler besonders geprägt hätten, gehöre die gemeinsame Vorbereitung auf das Abitur, als persönliche und als Gemeinschaftsleistung. Man habe nicht vermeiden können, sich ein beträchtliches Maß an Wissen aneignen zu können, aber es wurden auch Werte darüber hinaus vermittelt, beispielsweise zur sozialen Kompetenz: Die Schüler hätten Geduld, Achtung und Respekt vor der Person und der Meinung anderer erfahren, sie hätten Teamarbeit erfahren, die Schule war dafür ein ideales Trainingsfeld. Schwierig, erklärten sie, war das finden des Abi-Mottos »be good. be bad. just ABI«, man habe sich da an einen Werbespot angelehnt. »Hauptsache, man tut etwas, egal, ob es gut oder schlecht ist«, so ließe sich das Leitwort übersetzen. Das bedeute, sich nicht von Tiefschlägen entmutigen zu lassen. Damit der Zusammenhalt vom Abi 2000 weiterhin gepflegt wird, erhielt jeder Absolvent eine Flaschenpost, Inhalt: Ort und Termin des nächstens Treffens in einigen Jahren, damit alle sehen können, was aus den Träumen geworden ist.
Auf Wunsch des Jahrgangs wurde auf einzelne Ehrungen verzichtet - es seien ohnehin sehr viele, so der Schulleiter. Buchpreise für besondere Leistungen in Chemie beziehungsweise in Deutsch wurden an Björn Loges, Maren Strauch und Christian Töpfer vergeben.
Eine neue Tradition, die vielleicht der Grundstock einer Ahnengalerie sein kann, regte Jürgen Hüttig für den Ehemaligen-Verein VE²R an: Er stiftete ein Jahrgangsfoto als Geschenk für alle.